Was habe ich nicht schon alles gesehen: Fahrrad-Katzenaugen, die mit ner SPAX im Baum gesichert werden, 3M-Folie mit einer einzigen Tackerklammer befestigt – mit dem Erfolg, dass sich diese durch Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüsse zu einem Röllchen zusammenzieht und dann nicht mehr reflektiert. Rote Reflektoren, die von Vögeln mit Beeren verwechselt und gefressen werden oder Reflektorlinsen aus dem Baustellen-Absperrbedarf, die in ein selbstgefrästes Loch in den Baum geklebt werden. Von den überteuerten, tetraederförmigen Kaufreflektoren, die tagsüber fast noch auffälliger sind, als in der Nacht, mal ganz zu schweigen.

Dabei gibt es eine günstige und haltbare Alternative, die tagsüber absolut unauffällig ist und trotzdem hervorragende Reflexionseigenschaften besitzt:

Reflektoren aus Warnwesten. Hier eine kurze Anleitung zum Nachmachen.

 

Als erstes brauchen wir eine handelsübliche Warnweste, die es in den hiesigen Ramschläden schon für knapp 2 Euro zu kaufen gibt. Wichtig beim Kauf ist, dass das reflektierende Material ähnlich einem samtigen Stoff ist. Es gibt auch bei qualitativ hochwertigeren Westen ein anderes Material, was durch eine Folie geschützt ist und eine gummi-/plastigartige Haptik besitzt. Dieses Material können wir nicht gebrauchen.

Eine solche Warnweste ist perfekt:

Wir nehmen also unsere neu erworbene Warnweste und trennen behutsam den Reflektorstoff von der Weste. Ich habe das z.B. mit einer kleinen Nagelschere gemacht und die Naht damit aufgetrennt. Die Weste selbst kann in die Tonne oder anderweitig verwendet werden.

Jetzt ein handliches Stück gutes doppelseitiges (Teppich-)klebeband abschneiden…

… und auf die Rückseite des Reflektorstoffs laminieren! Jetzt zahlt es sich auch aus, dass wir den Klebestreifen nicht zu lang gemacht haben, denn der Stoff sollte sauber und faltenfrei aufgeklebt werden. Man kann den Stoff mit dem Daumen fest aufstreichen, aber NICHT den Daumennagel benutzen, da man sonst die winzigen Reflektorkügelchen des Stoffs zerstört!

Das Ganze sollte dann ungefähr so aussehen:

Jetzt an den Seiten des Klebestreifens den Stoff abschneiden und restlichen Stoff beseite legen. (Ihr hab jetzt übrigens Material für hunderte von Reflektoren, also keinesfalls wegwerfen! Der nächste Nachtcache kommt bestimmt.)
Aus dem beklebten Reflektorstoff fertigen wir uns jetzt noch Runde Ausstanzungen. Ich habe dazu ein 8mm Locheisen verwendet. Dazu einfach den beklebten Stoff auf einen alten Katalog oder Notizblock legen, das Locheisen ansetzen und beherzt zuschlagen. Wer kein Locheisen zur Hand hat, kann auch einen normalen Locher nutzen, muss sich aber dann mit 5mm Ausstanzungen zufrieden geben.

Und so sieht das dann aus. Natürlich habe ich hier nur beispielhaft eine einzelne Ausstanzung gemacht. Normalerweise kann man hier platzsparend ansetzen und viele viele Ausstanzungen herstellen.

Die abgebildete Heftzwecke zeigt es an: Die Ausstanzungen jetzt einfach auf vermessingte Heftzwecken/Reißnägel kleben. Keinesfalls die plastikbeschichteten Heftzwecken benutzen – das Plastik löst sich irgendwann. Zugegeben, am Anfang ist es etwas fummelig die Schutzfolie der anderen Klebebandseite abzufummeln, aber ab dem 10. Refektor wird man routinierter. *g*

Die relativ schlecht vermessingten Heftzwecken rosten durchaus schnell, wenn sie der Witterung ausgesetzt sind, was aber der Tarnung nur zuträglich ist. Im Ernst, gerade diese verrosteten Reflektoren habe ich bei einer Wartungsrunde ohne Taschenlampe am Tage nicht wiederfinden können!

 Was zeichnet diese Reflektoren jetzt aus?

  1. kostengünstig und einfach nachzubauen
  2. tagsüber nicht auffindbar
  3. superklein
  4. hervorragende Reflexionseigenschaften
  5. sehr gute Haltbarkeit
  6. keine oder kaum Beschädigungen am Baum, da Heftzwecken nicht so tief in den Baum eindringen (Todholz ist trotzdem vorzuziehen!)
  7. lässt man die Heftzwecken weg, erhalten wir selbstklebende Reflektoren, die ich sogar auf blanke Felsen kleben konnte und bereits über ein Jahr halten.

 

Abschließend ist zu sagen, dass die Witterungsbeständigeit auch damit zu erklären ist, dass das Teppichklebeband elastisch bleibt und nicht spröde wird. Der Reflektorstoff kann sich ebenfalls zusammenziehen und dehnen, so dass es sämtliche Temperaturunterschiede mitmacht.

Natürlich gibt es auch ein paar negative Punkte zu nennen. Leider werden auch bei diesen Reflektoren die Reflexionseigenschaften bei Raureif schlechter und man hat leider keine anderen Farben als Weiß zur Verfügung. Die Dinger machen aber trotzdem so viel Spaß, dass ich keine anderen Reflektoren mehr verbauen will. Probiert es selbst aus.

Über Erfahrungsaustausch und -berichte würde ich mich in den Kommentaren sehr freuen.